Orchideen, vergessen Sie die Erde: Wenn Sie dies tun, werden sie üppig blühen

Viele Orchideen verlieren nach dem Kauf ihre Blüten und wollen anschließend monatelang nicht mehr blühen. Häufig liegt das Problem nicht an fehlendem Dünger, sondern am falschen Substrat und an zu viel Wasser.

Vor allem die beliebte Schmetterlingsorchidee, auch Phalaenopsis genannt, sollte nicht in gewöhnlicher Blumenerde wachsen. Ihre Wurzeln benötigen viel Luft, einen schnellen Wasserabfluss und ausreichend Licht. Ein lockeres, erdloses Substrat kann deshalb den entscheidenden Unterschied machen.

Warum normale Blumenerde ungeeignet ist

Viele Zimmerorchideen wachsen in ihrer natürlichen Umgebung nicht im Boden, sondern sitzen als sogenannte Epiphyten auf Bäumen. Dabei benutzen sie die Äste lediglich als Halt und entziehen dem Baum keine Nährstoffe.

Ihre kräftigen Wurzeln sind an Luft, Feuchtigkeit und einen schnellen Wechsel zwischen Nass- und Trockenphasen angepasst. Dichte Blumenerde bleibt dagegen lange feucht und verdrängt den Sauerstoff aus dem Wurzelbereich. Die Folge können weiche, braune Wurzeln und Fäulnis sein. Die American Orchid Society und der Missouri Botanical Garden empfehlen für solche Orchideen deshalb ein grobes, gut durchlässiges Pflanzmedium anstelle gewöhnlicher Zimmerpflanzenerde. (Миссури Ботанический Сад)

Das richtige erdlose Substrat

Für die meisten Phalaenopsis-Orchideen eignet sich eine Mischung aus:

  • mittelgrober Orchideenrinde,
  • etwas Perlit,
  • wenigen Stücken Pflanzenkohle,
  • bei sehr trockener Raumluft einer kleinen Menge Sphagnum-Moos.

Die Rinde stabilisiert die Pflanze, ohne die Wurzeln einzuengen. Zwischen den einzelnen Stücken bleiben große Hohlräume, durch die Luft zirkulieren und überschüssiges Wasser ablaufen kann.

Auch handelsübliches Orchideensubstrat kann verwendet werden. Entscheidend ist, dass es überwiegend aus grober Rinde besteht und nicht wie normale Erde aussieht. Die Royal Horticultural Society empfiehlt für Phalaenopsis ein sehr lockeres, hauptsächlich aus kompostierter Rinde bestehendes Substrat. (RHS)

So topfen Sie die Orchidee richtig um

Nehmen Sie die Orchidee vorsichtig aus ihrem bisherigen Topf und entfernen Sie das alte Substrat vollständig. Spülen Sie die Wurzeln bei Bedarf mit lauwarmem Wasser ab.

Untersuchen Sie anschließend jede Wurzel:

Gesunde Wurzeln sind fest und meist grün oder silbergrau. Braune, hohle, matschige oder faulig riechende Wurzeln können mit einer sauberen, desinfizierten Schere entfernt werden.

Setzen Sie die Pflanze danach in einen durchsichtigen Orchideentopf mit mehreren Abzugslöchern. Verteilen Sie das neue Rindensubstrat vorsichtig zwischen den Wurzeln. Drücken Sie es nicht fest zusammen, denn die Luftzwischenräume sollen erhalten bleiben.

Das Herz der Orchidee, also die Stelle, aus der die Blätter wachsen, muss oberhalb des Substrats bleiben. Gelangt dort dauerhaft Wasser hinein, kann die empfindliche Pflanzenmitte faulen.

Der einfache Tauch-Trick

Statt die Orchidee täglich mit kleinen Mengen Wasser zu gießen, ist gründliches Tauchen meist sinnvoller.

Stellen Sie den Pflanztopf für etwa 10 bis 15 Minuten in ein Gefäß mit zimmerwarmem Wasser. Nehmen Sie ihn anschließend heraus und lassen Sie das Wasser vollständig ablaufen. Im Übertopf darf kein Wasser stehen bleiben, da dauerhaft nasse Wurzeln leicht faulen. (aos.org)

Gießen Sie erst wieder, wenn:

  • die Wurzeln im durchsichtigen Topf silbergrau geworden sind,
  • der Topf deutlich leichter ist,
  • das Substrat fast vollständig abgetrocknet ist.

Grüne Wurzeln zeigen meist an, dass noch genügend Feuchtigkeit vorhanden ist. Ein fester Wochenplan ist weniger zuverlässig, da der Wasserbedarf von Temperatur, Jahreszeit, Licht, Topfgröße und Luftfeuchtigkeit abhängt.

Kann man Orchideen nur im Wasser halten?

Im Internet wird häufig die sogenannte Wasserkultur empfohlen. Dabei stehen die Wurzeln zeitweise oder dauerhaft in einem Glas mit Wasser. Diese Methode kann unter kontrollierten Bedingungen funktionieren, ist für Anfänger jedoch riskanter als ein luftiges Rindensubstrat.

Orchideenwurzeln dürfen nicht dauerhaft ohne Sauerstoff im Wasser stehen. Bleibt das Wasser zu lange im Gefäß, können sich Fäulnis und unangenehme Gerüche entwickeln. Für geschwächte Pflanzen ist die Umstellung zusätzlich belastend.

Die sicherere Variante bleibt deshalb ein durchlässiger Topf mit grober Orchideenrinde. Die American Orchid Society betont, dass Orchideensubstrate gut entwässern müssen und die Wurzeln nicht über mehrere Tage nass bleiben sollten. (aos.org)

Licht ist für die Blüten entscheidend

Auch das beste Substrat allein garantiert noch keine Blüte. Phalaenopsis-Orchideen benötigen einen hellen Standort ohne starke Mittagssonne.

Ideal ist häufig ein Ost- oder Westfenster. An einem dunklen Standort kann die Pflanze zwar grüne Blätter bilden, entwickelt aber möglicherweise keinen neuen Blütentrieb. Direkte Sommersonne kann dagegen helle oder braune Verbrennungen auf den Blättern verursachen. (RHS)

Sind die Blätter sehr dunkelgrün und erscheint über längere Zeit kein Blütentrieb, kann das ein Hinweis auf zu wenig Licht sein. Gesunde Phalaenopsis-Blätter sind normalerweise mittelgrün, fest und glatt.

Ein kleiner Temperaturunterschied kann helfen

Viele Phalaenopsis-Orchideen bilden leichter einen neuen Blütentrieb, wenn die Nächte für einige Wochen etwas kühler als die Tage sind. Stellen Sie die Pflanze beispielsweise im Herbst an einen hellen Platz, an dem es nachts moderat kühler wird.

Vermeiden Sie jedoch kalte Zugluft, Temperaturen direkt am offenen Fenster und den Kontakt der Blätter mit einer kalten Fensterscheibe.

Sobald ein neuer Blütentrieb erscheint, sollte die Pflanze möglichst nicht ständig gedreht oder an einen völlig anderen Standort gestellt werden.

Richtig düngen, aber nicht übertreiben

Verwenden Sie einen speziellen Orchideendünger in niedriger Konzentration. Eine zu starke Düngerlösung kann die empfindlichen Wurzeln schädigen und Salzablagerungen verursachen.

Düngen Sie nur während der aktiven Wachstumsphase und niemals eine vollständig ausgetrocknete oder stark geschädigte Pflanze. Befeuchten Sie trockene Wurzeln zunächst mit klarem Wasser.

Gelegentlich sollte das Substrat gründlich mit klarem, weichem Wasser durchgespült werden, damit sich überschüssige Düngesalze nicht im Topf ansammeln.

Wann muss das Substrat erneuert werden?

Orchideenrinde zersetzt sich mit der Zeit. Sie wird kleiner, dichter und speichert immer länger Wasser. Dadurch gelangt weniger Luft an die Wurzeln und das Risiko für Fäulnis steigt.

Phalaenopsis-Orchideen sollten deshalb gewöhnlich ungefähr alle zwei Jahre oder früher umgetopft werden, wenn das Substrat zerfallen ist, schlecht riecht oder nur noch langsam trocknet. (RHS)

Der günstigste Zeitpunkt liegt meist nach der Blüte oder sobald neue Wurzelspitzen sichtbar werden. Eine stark faulende Orchidee sollte jedoch unabhängig von der Jahreszeit sofort kontrolliert und umgetopft werden.

Fazit

Das Geheimnis üppig blühender Orchideen besteht nicht darin, sie in gewöhnliche Erde zu setzen oder ständig zu gießen. Ihre Wurzeln brauchen vor allem Luft, einen schnellen Wasserabfluss und ein lockeres Substrat.

Entfernen Sie dichte Blumenerde, verwenden Sie grobe Orchideenrinde, tauchen Sie die Pflanze erst nach dem Abtrocknen und stellen Sie sie hell, aber ohne starke direkte Sonne. Werden zusätzlich Temperatur und Düngung richtig abgestimmt, steigen die Chancen deutlich, dass die Orchidee neue Wurzeln und schließlich einen kräftigen Blütentrieb bildet.

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