Einfach eine Aktivkohletablette zu den Wurzeln geben – und die Orchidee bildet wieder neue Blüten?

Viele Orchideen sehen nach der ersten Blüte lange Zeit gesund aus, bilden jedoch keinen neuen Blütentrieb. Im Internet wird deshalb häufig ein einfacher Trick empfohlen: Eine Aktivkohletablette soll direkt zu den Wurzeln gegeben werden und die Pflanze angeblich das ganze Jahr über zum Blühen bringen.

Aktivkohle kann bei der Orchideenpflege tatsächlich nützlich sein. Sie ist jedoch kein Dünger und kann allein keine neue Blüte auslösen. Richtig eingesetzt kann sie vor allem dabei helfen, die Wurzeln gesund zu halten – und gesunde Wurzeln sind eine wichtige Voraussetzung für neue Blütentriebe.

Was bewirkt Aktivkohle bei Orchideen?

Aktivkohle besitzt eine poröse Oberfläche und kann Feuchtigkeit, Gerüche sowie bestimmte unerwünschte Stoffe binden. In Orchideensubstraten wird Pflanzenkohle deshalb manchmal als Zusatz verwendet.

Sie kann dazu beitragen:

  • unangenehme Gerüche im Substrat zu reduzieren,
  • Schnittstellen nach dem Entfernen fauler Wurzeln trocken zu halten,
  • das Substrat luftiger zu machen,
  • überschüssige Feuchtigkeit etwas abzufangen,
  • die Ausbreitung von Fäulnis an beschädigten Stellen zu begrenzen.

Die Kohle liefert der Orchidee jedoch kaum Nährstoffe. Sie enthält weder die notwendige Menge Stickstoff noch Phosphor oder Kalium, die eine Pflanze für Wachstum und Blütenbildung benötigt.

So wird die Aktivkohletablette richtig verwendet

Eine ganze Tablette sollte nicht einfach tief zwischen die Wurzeln gedrückt werden. Dort kann sie sich auflösen, verklumpen und die Luftzirkulation behindern.

Besser ist folgende Anwendung:

Zerdrücken Sie eine einfache Aktivkohletablette ohne zusätzliche Aromen oder Wirkstoffe zu feinem Pulver. Kontrollieren Sie anschließend die Wurzeln der Orchidee. Entfernen Sie weiche, braune oder hohle Wurzelteile mit einer sauberen Schere.

Bestäuben Sie nur die frischen Schnittflächen leicht mit dem Kohlepulver. Die Aktivkohle hilft dabei, die feuchten Schnittstellen abzutrocknen und schützt sie während der Heilung.

Alternativ können einige kleine Stücke reiner Pflanzenkohle unter grobe Orchideenrinde gemischt werden. Die Kohle darf das Substrat jedoch nicht dominieren.

Aktivkohle im Gießwasser – sinnvoll oder nicht?

Manche Orchideenfreunde lösen eine zerkleinerte Tablette in Wasser auf und tauchen die Wurzeln hinein. Gelegentlich angewendet ist dies meist weniger problematisch als eine dauerhaft im Topf liegende Tablette.

Eine sichere Mischung besteht aus:

  • einer Aktivkohletablette,
  • etwa einem Liter lauwarmem Wasser.

Die Tablette wird vollständig zerdrückt und im Wasser verteilt. Stellen Sie den Orchideentopf ungefähr zehn Minuten hinein. Lassen Sie das Wasser danach vollständig ablaufen.

Diese Behandlung sollte nicht bei jedem Gießen durchgeführt werden. Aktivkohle kann neben unerwünschten Stoffen auch Bestandteile binden, die die Pflanze benötigt. Ein gelegentlicher Einsatz nach dem Umtopfen oder bei auffälligem Substrat ist ausreichend.

Warum blüht die Orchidee trotzdem nicht?

Bleibt die Blüte aus, liegt es meistens nicht an fehlender Aktivkohle. Häufig sind andere Pflegefehler verantwortlich.

Zu wenig Licht

Phalaenopsis-Orchideen brauchen einen hellen Standort. Stehen sie dauerhaft in einer dunklen Ecke, bilden sie zwar Blätter, aber oft keinen Blütentrieb.

Ideal ist ein Ost- oder Westfenster mit viel indirektem Licht. Starke Mittagssonne sollte vermieden werden, da sie die Blätter verbrennen kann.

Kein Temperaturunterschied

Ein leichter Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur kann die Bildung eines neuen Blütentriebs anregen. Für einige Wochen darf es nachts ungefähr drei bis fünf Grad kühler sein als tagsüber.

Die Pflanze sollte dabei weder kalter Zugluft noch sehr niedrigen Temperaturen ausgesetzt werden.

Zu häufiges Gießen

Dauerhaft feuchte Wurzeln bekommen zu wenig Sauerstoff und beginnen zu faulen. Eine geschwächte Orchidee verwendet ihre Energie zunächst für das Überleben und nicht für neue Blüten.

Gießen oder tauchen Sie erst, wenn die Wurzeln silbrig grau erscheinen und das Substrat fast trocken ist. Grüne Wurzeln enthalten normalerweise noch ausreichend Feuchtigkeit.

Fehlende Nährstoffe

Da Aktivkohle kein vollwertiger Dünger ist, braucht die Orchidee während der Wachstumsphase weiterhin einen schwach dosierten Orchideendünger.

Zu viel Dünger ist allerdings ebenso schädlich wie zu wenig. Eine stark konzentrierte Lösung kann die empfindlichen Wurzeln verbrennen.

Altes oder verdichtetes Substrat

Orchideenrinde zersetzt sich mit der Zeit und bleibt immer länger nass. Dadurch gelangt weniger Luft zu den Wurzeln.

Ist das Substrat weich, dunkel, muffig oder stark zerfallen, sollte die Orchidee in frische, grobe Rinde umgetopft werden.

Der beste Weg zu neuen Blüten

Aktivkohle kann die Pflege sinnvoll ergänzen, besonders nach dem Abschneiden fauler Wurzeln. Neue Blüten entstehen jedoch nur, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig stimmen:

  • gesunde und luftige Wurzeln,
  • ausreichend helles Licht,
  • richtiges Gießen,
  • mäßige Düngung,
  • ein leichter Temperaturunterschied,
  • genügend Erholungszeit nach der letzten Blüte.

Eine gut gepflegte Phalaenopsis bildet häufig nach einigen Wochen oder Monaten einen neuen Blütentrieb. Geduld ist dabei wichtiger als jede vermeintliche Wundertablette.

Fazit

Eine Aktivkohletablette kann Orchideen unterstützen, indem sie Schnittstellen trocknet, Gerüche bindet und das Risiko von Fäulnis reduziert. Sie ist jedoch kein Mittel, das die Pflanze automatisch oder das ganze Jahr über zum Blühen bringt.

Zerdrücken Sie die Tablette und verwenden Sie das Pulver sparsam an beschädigten Wurzeln. Kombinieren Sie diese Maßnahme mit ausreichend Licht, einem luftigen Substrat und einem angepassten Gießrhythmus. Dann verbessern sich die Bedingungen, unter denen die Orchidee einen neuen Blütentrieb entwickeln kann.

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