Im Internet kursieren zahlreiche Videos, in denen aus alten Akkus, Kabeln und kleinen Elektronikbauteilen innerhalb weniger Minuten ein tragbares Ladegerät entstehen soll. Die Aufnahmen wirken beeindruckend: Einige Drähte werden verbunden, ein USB-Kabel angeschlossen – und schon lädt angeblich das Smartphone.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Ein unsachgemäß gebautes Ladegerät kann das Telefon beschädigen, überhitzen oder sogar einen Brand auslösen. Besonders riskant sind Konstruktionen mit gebrauchten Lithium-Akkus.
Was ist ein tragbares Ladegerät?
Ein tragbares Ladegerät, häufig Powerbank genannt, speichert elektrische Energie in einem eingebauten Akku. Über einen geregelten USB-Ausgang kann diese Energie später an ein Smartphone, Kopfhörer oder ein anderes Gerät abgegeben werden.
Eine sichere Powerbank besteht nicht nur aus einer Batterie. Sie benötigt außerdem:
- eine kontrollierte Ausgangsspannung,
- einen Überlade- und Tiefentladeschutz,
- einen Kurzschlussschutz,
- eine Temperaturüberwachung,
- eine zuverlässige Ladeelektronik,
- ein stabiles und schwer entflammbares Gehäuse.
Fehlen diese Schutzfunktionen, kann der angeschlossene Akku instabil werden.
Warum funktionieren manche Videos scheinbar trotzdem?
Oft wird in solchen Videos eine gewöhnliche Batterie oder ein alter Handy-Akku mit einem USB-Modul verbunden. Das Smartphone zeigt möglicherweise kurz das Ladesymbol an. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Konstruktion sicher oder leistungsfähig ist.
Die Spannung kann schwanken, der Strom kann zu gering sein und die Verbindung kann sich stark erwärmen. Manche Konstruktionen laden das Telefon nur wenige Prozent oder brechen nach kurzer Zeit vollständig zusammen.
In stark bearbeiteten Videos ist außerdem nicht immer zu erkennen, ob im Hintergrund eine zusätzliche Stromquelle verwendet wird.
Die größte Gefahr: gebrauchte Lithium-Akkus
Alte Akkuzellen sehen von außen häufig unbeschädigt aus, können im Inneren aber bereits verschlissen sein. Sie dürfen nicht verwendet werden, wenn sie:
- aufgebläht oder verformt sind,
- Rost oder Flüssigkeitsspuren zeigen,
- ungewöhnlich riechen,
- sich beim Laden stark erwärmen,
- aus beschädigten Geräten stammen,
- eine unbekannte Vorgeschichte haben.
Ein Kurzschluss kann innerhalb kurzer Zeit sehr hohe Ströme erzeugen. Dabei kann sich die Zelle entzünden. Besonders gefährlich ist es, Lithium-Akkus zu durchbohren, zu quetschen, direkt zu verlöten oder ohne geeignete Schutzplatine aufzuladen.
Kann man aus normalen AA-Batterien eine Powerbank bauen?
Theoretisch lässt sich mit mehreren Batterien und einer passenden Regelelektronik eine USB-Spannung erzeugen. Praktisch ist diese Lösung jedoch ineffizient und für unerfahrene Personen nicht empfehlenswert.
Ein einfaches Zusammenstecken reicht nicht aus. Falsch verbundene Batterien können auslaufen, heiß werden oder das angeschlossene Gerät beschädigen. Nicht wiederaufladbare Batterien dürfen außerdem niemals in einem Ladegerät geladen werden.
Die sichere Fünf-Minuten-Lösung
Wer dringend unterwegs Strom benötigt, sollte keine improvisierte Schaltung bauen. Sicherer sind folgende Möglichkeiten:
Eine geprüfte Powerbank verwenden
Wählen Sie ein Modell eines seriösen Herstellers mit Schutz vor Überladung, Kurzschluss und Überhitzung. Das Gehäuse sollte unbeschädigt sein und die Kapazität zum eigenen Bedarf passen.
Einen Batteriehalter mit fertigem USB-Modul nutzen
Für Notfälle gibt es komplett montierte Ladegeräte, die mit handelsüblichen Batterien betrieben werden. Dabei sind Batteriehalter und Spannungsregelung bereits in einem geschlossenen Gehäuse integriert.
Auch solche Geräte sollten nur nach Herstellerangabe verwendet werden.
Im Auto laden
Ein geprüfter USB-Adapter für die Fahrzeugsteckdose ist wesentlich sicherer als eine selbst gebaute Konstruktion. Verwenden Sie keine beschädigten Kabel und keine ungewöhnlich heißen Adapter.
Eine Ladestation nutzen
An Bahnhöfen, Flughäfen, in Einkaufszentren und Hotels stehen häufig Steckdosen oder Lademöglichkeiten zur Verfügung. Bei öffentlichen USB-Anschlüssen ist ein eigenes Netzteil an einer Steckdose sicherer als ein unbekannter Datenanschluss.
Woran erkennt man eine sichere Powerbank?
Achten Sie auf eine klare Herstellerangabe, verständliche technische Daten und integrierte Schutzfunktionen. Eine seriöse Powerbank sollte ihre Nennkapazität, Ein- und Ausgangsleistung sowie die zulässige Betriebstemperatur angeben.
Warnzeichen sind:
- ein ungewöhnlich niedriger Preis ohne Herstellerangabe,
- ein lockeres oder rissiges Gehäuse,
- starke Erwärmung beim normalen Laden,
- chemischer Geruch,
- aufgeblähte Stellen,
- Funken oder knisternde Geräusche,
- beschädigte USB-Buchsen.
Eine aufgeblähte Powerbank darf nicht weiter benutzt, gedrückt oder geöffnet werden. Bringen Sie sie zu einer geeigneten Sammelstelle für Altbatterien.
So verlängern Sie die Lebensdauer der Powerbank
Lassen Sie eine Powerbank nicht stundenlang in direkter Sonne oder in einem heißen Auto liegen. Extreme Wärme beschleunigt die Alterung des Akkus und erhöht das Sicherheitsrisiko.
Verwenden Sie außerdem ein passendes Ladegerät und ein intaktes Kabel. Wird die Powerbank längere Zeit nicht benötigt, sollte sie weder vollständig leer noch dauerhaft bei 100 Prozent gelagert werden.
Kontrollieren Sie ältere Geräte regelmäßig auf Verformungen und ungewöhnliche Wärmeentwicklung.
Was tun, wenn sich ein Ladegerät stark erhitzt?
Trennen Sie es sofort vom Strom und vom Smartphone. Legen Sie es auf eine nicht brennbare Oberfläche, fern von Papier, Textilien und Möbeln.
Ein aufgeblähtes, rauchendes oder zischendes Gerät darf nicht mit bloßen Händen angefasst oder weitergeladen werden. Halten Sie Abstand und rufen Sie bei einem Brand die Feuerwehr.
Versuchen Sie nicht, das Gehäuse zu öffnen oder den Akku selbst zu reparieren.
Fazit
Ein tragbares Ladegerät lässt sich nicht allein durch einige schnell verbundene Drähte sicher herstellen. Die entscheidende Technik steckt in der Schutz- und Ladeelektronik. Ohne sie können Akkus überhitzen, Geräte beschädigen oder einen Brand verursachen.
Der echte Fünf-Minuten-Trick besteht daher nicht im Bau einer improvisierten Powerbank, sondern darin, eine geprüfte Lösung zu verwenden, das passende Kabel einzupacken und die Powerbank rechtzeitig aufzuladen.