Brennnesseln werden im Garten häufig als lästiges Unkraut betrachtet. Dabei lassen sich die jungen Triebe vielseitig in der Küche verwenden – etwa für Suppen, Tee, Kräutergerichte oder einen erfrischenden Sirup. Die Pflanze enthält unter anderem Vitamin A und C sowie Kalium, Kalzium, Eisen und Chlorophyll. Durch Erhitzen und längere Lagerung kann jedoch ein Teil der hitzeempfindlichen Vitamine verloren gehen. Brennnesselsirup ist daher vor allem ein aromatisches Getränk und kein medizinisches Wundermittel
Welche Brennnesseln eignen sich für den Sirup?
Am besten verwendet man junge, hellgrüne Triebspitzen und zarte Blätter. Sie schmecken milder und sind weniger faserig als ältere Pflanzenteile. Brennnesseln sind grundsätzlich essbar und können ähnlich wie Spinat, als Tee oder in anderen Kräutergerichten verarbeitet werden.
Sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie zweifelsfrei als Brennnesseln erkennen. Geeignete Sammelstellen befinden sich im eigenen unbehandelten Garten oder auf sauberen Flächen fern von stark befahrenen Straßen, Hundewiesen, gespritzten Feldern und verschmutzten Gewässern.
Tragen Sie beim Pflücken feste Handschuhe. Die feinen Brennhaare können die Haut reizen und juckende Quaddeln verursachen. Durch Kochen, Trocknen oder kräftiges Zerkleinern verlieren die Blätter ihre Brennwirkung.
Zutaten für Brennnesselsirup
Für etwa einen Liter Sirup benötigen Sie:
- 80 bis 100 Gramm junge Brennnesselspitzen
- 1 Liter Wasser
- 500 bis 700 Gramm Zucker
- 2 unbehandelte Zitronen
- optional einige Blätter Zitronenmelisse oder Minze
Je mehr Zucker verwendet wird, desto dickflüssiger und süßer wird der Sirup. Auch mit viel Zucker sollte diese selbst entwickelte Rezeptur nicht als bei Raumtemperatur haltbare Konserve betrachtet werden.
Brennnesselsirup Schritt für Schritt zubereiten
1. Brennnesseln sorgfältig reinigen
Sortieren Sie welke, beschädigte oder stark verschmutzte Pflanzenteile aus. Waschen Sie die Triebe mehrmals gründlich in kaltem Wasser und lassen Sie sie anschließend abtropfen.
Verwenden Sie nur saubere Blätter ohne sichtbaren Schädlings- oder Schimmelbefall.
2. Kräuterauszug herstellen
Bringen Sie einen Liter Wasser zum Kochen. Geben Sie die Brennnesseln in einen hitzebeständigen Topf oder eine Schüssel und übergießen Sie sie mit dem heißen Wasser.
Waschen Sie die Zitronen gründlich. Schneiden Sie eine Zitrone in dünne Scheiben und geben Sie diese zu den Brennnesseln. Von der zweiten Zitrone wird zunächst nur der Saft benötigt.
Decken Sie das Gefäß ab und lassen Sie den Auszug vollständig abkühlen. Anschließend kann er für etwa 12 Stunden im Kühlschrank ziehen. Eine sehr lange Standzeit bei Zimmertemperatur sollte vermieden werden, da sich in zuckerfreien Kräuterauszügen Mikroorganismen vermehren können.
3. Flüssigkeit abseihen
Gießen Sie den Auszug durch ein feines Sieb oder ein sauberes Tuch. Drücken Sie die Pflanzenreste vorsichtig aus.
Die Flüssigkeit sollte frisch und kräuterartig riechen. Zeigt sie bereits einen gärigen, muffigen oder ungewöhnlich sauren Geruch, sollte sie nicht weiterverarbeitet werden.
4. Mit Zucker einkochen
Geben Sie den gefilterten Auszug zusammen mit dem Zucker in einen sauberen Topf. Erhitzen Sie die Mischung unter Rühren, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat.
Lassen Sie den Sirup einige Minuten leicht köcheln. Geben Sie anschließend den frisch gepressten Zitronensaft hinzu und schmecken Sie vorsichtig ab.
Je länger die Mischung kocht, desto dickflüssiger wird sie. Gleichzeitig können durch intensive Hitze mehr empfindliche Inhaltsstoffe verloren gehen.
5. In saubere Flaschen füllen
Spülen Sie hitzebeständige Glasflaschen und Verschlüsse sehr gründlich aus und erhitzen Sie sie vor dem Befüllen. Gießen Sie den heißen Sirup vorsichtig in die Flaschen und verschließen Sie sie sofort.
Da dieses Hausrezept kein geprüftes Einkochverfahren darstellt, sollte der Sirup nach dem Abkühlen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Für eine längere Lagerung kann er portionsweise in geeigneten Behältern eingefroren werden.
Entsorgen Sie den Sirup, wenn sich der Verschluss wölbt, Gas entsteht, die Flüssigkeit stark trüb wird oder Schimmel beziehungsweise ein gäriger Geruch auftritt.
Wie wird Brennnesselsirup getrunken?
Der Sirup ist konzentriert und wird vor dem Trinken verdünnt. Geben Sie je nach Geschmack etwa einen bis zwei Esslöffel in ein Glas kaltes Wasser oder Mineralwasser.
Er passt außerdem zu:
- ungesüßtem Kräutertee,
- Zitronenlimonade,
- alkoholfreien Sommergetränken,
- Joghurt oder Quark,
- Obstsalat,
- Desserts.
Für eine besonders frische Variante können einige Minzblätter, Eiswürfel und eine Zitronenscheibe ins Glas gegeben werden.
Ist Brennnesselsirup wirklich gesund?
Frische Brennnesseln liefern verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenstoffe. Im Sirup ist ihre genaue Menge allerdings nicht bekannt und hängt von Erntezeit, Pflanzenmenge, Ziehdauer und Erhitzung ab. Außerdem besteht klassischer Sirup zu einem großen Teil aus Zucker.
Deshalb sollte er als Genussmittel betrachtet und sparsam verwendet werden. Er ersetzt weder frisches Gemüse noch eine ausgewogene Ernährung und ist kein Mittel zur Behandlung von Eisenmangel, Entzündungen, Harnwegsproblemen oder anderen Erkrankungen.
Brennnesselkraut wird zwar auch in traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln verwendet, für solche Produkte gelten jedoch festgelegte Zubereitungen und Dosierungen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur unterscheidet diese medizinischen Anwendungen klar von gewöhnlichen Lebensmitteln.
Wer sollte besonders vorsichtig sein?
Menschen mit einer bekannten Allergie gegen Brennnesseln sollten auf das Getränk verzichten. Bei einer ärztlich verordneten Begrenzung der Flüssigkeitsaufnahme oder bei regelmäßiger Einnahme entwässernder Medikamente sollte eine konzentrierte Verwendung als Hausmittel vorher medizinisch abgeklärt werden.
Auch in Schwangerschaft und Stillzeit sollten konzentrierte pflanzliche Zubereitungen nicht gezielt als Heilmittel eingesetzt werden, ohne dies mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apotheke zu besprechen. Für medizinische Brennnesselpräparate liegen laut EMA keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Schwangerschaft und Stillzeit vor.
Häufige Fehler bei der Zubereitung
Pflanzen von ungeeigneten Standorten sammeln
Brennnesseln unmittelbar neben Straßen, gedüngten Äckern oder stark frequentierten Wegen können verunreinigt sein.
Ungenügend waschen
Zwischen den Blättern können Erde, kleine Insekten und Pflanzenreste haften. Mehrmaliges Waschen ist deshalb wichtig.
Den kalten Auszug lange stehen lassen
Ein ungekühlter Kräuterauszug kann gären oder verderben. Während der Ziehzeit gehört er in den Kühlschrank.
Schimmlige Stellen einfach entfernen
Bei sichtbarem Schimmel sollte die gesamte Flasche entsorgt werden. Es reicht nicht, nur die obere Schicht abzunehmen.
Sirup wie ein Vitaminpräparat trinken
Der hohe Zuckeranteil bleibt auch dann bestehen, wenn der Sirup aus einer nährstoffreichen Pflanze hergestellt wurde.
Fazit
Brennnesselsirup ist eine interessante Möglichkeit, junge Brennnesseln aus dem Garten kulinarisch zu verwenden. Mit Zitrone entsteht ein süß-säuerliches Kräutergetränk, das verdünnt besonders an warmen Tagen erfrischend schmeckt.
Entscheidend sind ein sauberer Sammelort, die richtige Pflanzenbestimmung, gründliches Waschen und eine hygienische Verarbeitung. Der fertige Sirup sollte gekühlt, sparsam dosiert und als Genussmittel betrachtet werden – nicht als Ersatz für Medikamente oder eine ausgewogene Ernährung.